Enrico Rosso (1961) ist ein italienischer Bergsteiger und einer der Protagonisten des explorativen Alpinismus der 1980er- und 1990er-Jahre. Von Anfang an entwickelte er einen leichten und kreativen Stil, bei dem er den alpinen Stil an großen Wänden und auf minimalistischen Expeditionen bevorzugte, ohne zusätzlichen Sauerstoff oder künstliche Hilfsmittel. Er betrachtet den Alpinismus als eine Form des Ausdrucks und der inneren Suche, geleitet von sowohl ästhetischen als auch technischen Entscheidungen, oft ausgerichtet auf abgelegene Berge und neue Routen.
Nach einer intensiven Aktivität in den Westalpen in den 1980er-Jahren, mit zahlreichen Erstbesteigungen und Solobegehungen, gelang ihm 1988 die Erstbesteigung des „linken Pfeilers“ an der Ostwand der Grandes Jorasses. In derselben Zeit etablierte er sich international durch bedeutende Expeditionen im Himalaya und Karakorum: darunter die Erstbesteigung der Nordostwand des Shivling (1986), die Besteigung des Latok III im alpinen Stil und 1989 die Erstbesteigung des Südpfeilers des Nuptse, einer Route von großer technischer Schwierigkeit. In den folgenden Jahren eröffnete er eine neue Route am Thalay Sagar und nahm an Expeditionen zu Bergen wie dem Cho Oyu und dem K2 teil.
Parallel dazu entwickelte er eine intensive Erkundungstätigkeit in den Anden und in Patagonien. In Peru gelangen ihm Erstbesteigungen in der Cordillera Huayhuash sowie zahlreiche Besteigungen in der Cordillera Blanca, darunter der Nevado Copa (Paolo Consiglio CAAI-Preis) und neue Routen am Santa Cruz. In Patagonien und Feuerland, ab den 1990er-Jahren und dann kontinuierlich seit 2006, wechselte er zwischen Besteigungen von Gipfeln wie Fitz Roy, Aguja Poincenot und Cerro De Girad und historischer Forschung über die Persönlichkeit von Alberto Maria De Agostini. Er war zudem intensiv alpinistisch und pädagogisch in Bolivien tätig und zuletzt auch in Afrika mit der Besteigung des Mount Kenya.
Neben dem Alpinismus ist Rosso Autor von Büchern und Dokumentarfilmen über Berge und Exploration, in denen er Erfahrung, historisches Gedächtnis und persönliche Reflexion verbindet. 1992 gründete er die Vereinigung Montagna Amica mit dem Ziel, die Berge als Instrument der menschlichen und sozialen Entwicklung zu fördern. Er war mehrfach Mitglied der Jury des Piolets d’Or.